Generalversammlung für das Geschäftsjahr 2015

"Für mich soll`s große Scheine regnen"

Art der Stadts „Helikoptergeld“-Song rockte die Generalversammlung

Rekordteilnahme seit 1990 mit 180 Stimmberechtigten. Seit 2009 andauerndes Wachstum auch für 2015 bilanziert. Vorstand und Aufsichtsrat entlastet. Den Mitgliedern eine Dividende von 4 % ausgeschüttet. Dr. Eberhard Dierchen und Rosmarie Walter neuerlich in den Aufsichtsrat gewählt sowie als fünftes und neues Mitglied dieses Gremiums Rechtsanwalt Prof. Martin Kupfrian (Erfurt). Satzung modernisiert. Das ist im Telegrammstil die aktuelle Generalversammlung der Raiffeisenbank Gotha eG zusammengefasst.

Mühlberg ist eine Raiffeisenbank-Hochburg. In der ältesten Gemeinde Thüringens ist die Gothaer Genossenschaftsbank unangefochtener Platzhirsch. Nicht zuletzt deshalb fand die diesjährige Generalversammlung dort statt – zum wiederholten Male nun schon.

Es war die 128. Generalversammlung, seit im Drei-Kaiser-Jahr 1888 fünf Goldbacher einen Darlehensverein gründeten – die Geburtsstunde der Genossenschaftsbank, die seit 1990 ihren Sitz in Gothas Gartenstraße 19 hat. Es war aber auch die 26. Veranstaltung dieser Art nach Wiederbegründung 1990.
 
Getagt wurde neuerlich unter der Mühlburg im lauschigen „Schützenhof“ – die Kulturscheune in Sichtweite. Das erweckte bisher immer die kulturelle Ader der RaiBa. Und so sorgte 2016  Alexej Barchevitch für einen fulminanten Auftakt. Der Konzertmeister der „Thüringen Philharmonie Gotha“ spielte nicht nur ein Stück von Paganini. Er war auch wie er – ein wahrer Teufelsgeiger.

Bank und Orchester sind sich seit 2008 besonders zugetan. Seither unterstützt die Bank deren Kinder– und Jugendkonzerte. Für die aktuelle Saison berichtete Barchevitch: Mit rund 4.000 Jugendlichen seien alle Konzerte nahezu zu 100 % ausgelastet gewesen.

Doch bevor aufs musikalische das fiskalische Entrée folgen konnte, erkämpfte sich Christian Mark das Wort. Wieder einmal, denn der Auftritt des Mimen vom „Art der Stadt“ Gotha gehört zur Mühlberger Runde wie der Spring zum Dorf. 2012 brillierte sein Verein mit einem Theaterstück zu Raiffeisen. 2014 sprengte er als „Harald Gabriel“ die Tagesordnung und wollte Fusel-Anleihen unters Anlegervolk bringen. Dieses Jahr nun nahm er sich der „Draghi“schen Folgen der Null-Zins-Politik der EZB an. Beim „Helikoptergeld“-Song „Für mich soll’s große Scheine regnen“ begleitete ihn Vereinsmusikus Michael Weißhaupt gesanglich und auf der Gitarre. Anleihen für die Banken-Ballade nahm er bei Hildegard Knef – und dem scheinbar ganz normalen Wahnsinn derzeitiger Geldmarktpolitik.

Nach dem kulturellen Doppelschlag folgte der Ernst des Lebens: Den moderierte zum dritten Mal in Folge Maik „Scholle“ Scholkowski. Beim lockeren Talk auf der blauen Couch bilanzierten die beiden Vorstände Jürgen Hackethal und Sven Matuschek das Geschäftsjahr 2015.

Das war gut: Seit dem Krisenjahr 2009 gibt es ein stetes Wachsen der Bilanzsumme ­von einst 140 Mio. € auf nun 187 Mio. €  Das Wachstum verdanke man den Kunden, so Hackethal. Sie vertrauten nach wie vor der Bank ihr Geld an. Zudem wachse der Wunsch nach Krediten weiter. Ende 2015 betrug deren Bestand rund 108 Mio. € (2009: 70 Mio. €). Bei der Kreditvergabe bleibe man sich aber treu: „Sicherheit für den Kunden und für uns geht vor Rendite.“ Das gelte erst recht, wenn es wegen der niedrigen Zinsen deutlich mehr Nachfrage gebe.

Sven Matuschek erläuterte das Wachstum der Kundeneinlagen. Die bilanzwirksamen wuchsen auf derweil 153 Mio. €. Hinzu kommen weitere 53 Mio. € bei den RaiBa-Verbundpartnern R+V, Union und der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Die Zuwächse seien ein Ergebnis der Beratungsqualität, des genossenschaftlichen Geschäftsmodells. „Wir setzen dabei auf regionale Nähe, persönliche Beziehungen und Verbundenheit mit unseren Kunden.“

Das werde honoriert: Zum dritten Mal in Folge holte deshalb die RaiBa beim „Gothaer Kundenspiegel“ in ihrer Branche in allen drei Bewertungskategorien den Spitzenplatz.

Während das Zinsergebnis – wie in der gesamten Branche auch für die Gothaer Bank sank, machte neuerlich das bankeigene Investment in Sonnenstrom Freude. Geplant habe man für 2015 Einnahmen von 470 T€ – bilanzieren konnte man 513 T€.

Das ermöglichte auch, das Eigenkapital weiter zu stärken. 2015 sind es nun 23,8 Mio. € (2009: rund 9,0 Mio. €). „Ein angemessenes Eigenkapital, auch als Bezugsgröße für eine Reihe von Aufsichtsnormen, bildet neben einer stets ausreichenden Liquidität unverzichtbare Grundlage für eine solide Geschäftspolitik – man kann es auch als Herz einer Bank bezeichnen“, erklärte dazu Jürgen Hackethal. Die aktuelle Eigenkapitalquote liege dabei mit 12,7 % über dem Durchschnittswert vergleichbarer Kreditgenossenschaften.

Das gute Geschäftsergebnis erlaubte auch für 2015 eine Dividende von 4 % für die Eigentümer. Rund 90.000 € werden ausgeschüttet.

Nach dem Bericht des Vorstandes legte der vierköpfige Aufsichtsrat Rechenschaft ab, der seit fast einem Vierteljahrhundert in gleicher Zusammensetzung arbeitet. Hier gab es dieses Jahr personelle Veränderungen. Nach Ablauf ihrer Amtszeit wurden Rosmarie Walter und Dr. Eberhard Dierchen wiedergewählt. Zu ihnen, Beate Willmes und Ralf Grünewald kam nun dieses Jahr als fünftes Mitglied Rechtsanwalt Prof. Martin Kupfrian .
Alle Beschlüsse des Tages erfolgten übrigens  einstimmig.
Dr. Eberhard Dierchen blieb es dann vorbehalten, den offiziellen Teil des Abends zu beenden und zum traditionellen gemeinsamen Abendschmaus zu laden.