Agrartag

14. Agrartag der Volks- und Raiffeisenbanken in Gotha

Foto Hans Förster

Gotha. Am 7. März 2019 fand der 14. Agrartag in Gotha statt. Über 100 Landwirte und Ehrengäste folgten der Einladung der VR Bank Bad Salzungen Schmalkalden eG, der VR-Bank Eisenach Ronshausen eG und der Raiffeisenbank Gotha eG in das Hotel „Der Lindenhof“ in Gotha.


Jürgen Hackethal, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Gotha eG, eröffnete den 14. Agrartag. In seiner Rede griff er zahlreiche Themen auf. Neben nicht beeinflussbaren Umweltbedingungen stellen insbesondere die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen die Landwirte vor wachsende Herausforderungen. Steigende regulierungsgetriebene Anforderungen müssen teilweise auf Kosten des Ertrags umgesetzt werden. Viele Landwirte suchen daher nach alternativen Einnahmequellen wie der Gewinnung von Energie aus Biomasse oder der Sonnen- bzw. Windenergie. Mit den ortsansässigen Volks- und Raiffeisenbanken sowie dem genossenschaftlichen Verbund haben die Landwirte verlässliche Partner rund um die Themen Finanzierung und Absicherung von Risiken an ihrer Seite.


Als erster Referent übermittelte der Referatsleiter Dr. Ingo Zopf zunächst das Grußwort der Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft des Freistaats Thüringen, Frau Birgit Keller, die leider aufgrund von Terminüberschneidungen nicht selbst anwesend sein konnte.
Dr. Zopf sprach in seinem Fachvortrag über die Auswirkungen der gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) und deren Folgen für die Finanzierung der Betriebe in Thüringen. Er zeigte u.a. die Entwicklungen der beiden Säulen der GAP auf. Die Direktzahlungen (1. Säule) und die Mittel des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (2. Säule) werden voraussichtlich ab 2021 teilweise deutliche Kürzungen erfahren.


Juristisches Fachwissen aus erster Hand bot Rechtsanwalt Prof. Martin Kupfrian. Er informierte die Anwesenden in seinem Vortrag über die häufigsten Fehler beim Abschluss von Landpachtverträgen, denn ohne einen wirksamen Pachtvertrag sind die landwirtschaftlichen Flächen wieder herauszugeben. Von maßgeblicher Bedeutung sind in diesem Zusammenhang folgende zwei Aspekte:

  • Wurde der Verpächter bei Vertragsabschluss wirksam vertreten? (beispielsweise bei    Erbengemeinschaften) sowie
  • die „Schriftform“

Der Claas-Chefstratege Dr. Eberhard Nacke gewährte einen Blick in die Entwicklungsschmiede des Weltkonzerns aus Harsewinkel. Landwirte werden auch künftig nach leistungsfähigerer und effizienterer Technik suchen, um die Wirtschaftlichkeit ihrer wachsenden Betriebe abzusichern. Bevor sich jedoch vollautonome, fahrerlose Maschinen durchsetzen, werden Landmaschinen verschiedene Vorstufen der Automatisierung durchlaufen. „Ob die neuen technischen Möglichkeiten angenommen werden, ist letztendlich aber ein Rechenexempel, denn auch Roboter benötigen Betreuung“, betonte Dr. Nacke. Entscheidend ist, dass das Einsparpotenzial bei den Arbeitskosten höher ist als die Mehrkosten der Autonomie.


Gabor Vogel, Rohstoffexperte der DZ Bank AG, analysierte sehr anschaulich die Preisentwicklung landwirtschaftlicher Produkte. Den Milchpreis sieht er mittelfristig auf einem stabilen Niveau. Aber besonders im Schweinebereich seien die Preisrisiken deutlich höher als in anderen Industrien. „Der Schweinezyklus macht seinem Namen alle Ehre“, kommentierte er den schwankenden Preisverlauf der letzten Jahre. Bei einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland hält er einen kurzzeitigen Preisrutsch von bis zu 25 % durchaus für realistisch.


Im Anschluss an die sehr informativen Vorträge bedankte sich Herr Hackethal bei den Gästen und Referenten.


Den 15. Agrartag richtet die VR Bank Bad Salzungen Schmalkalden eG aus, wozu deren Vorstand Jan Wettstein abschließen einlud. Auch das Datum der Veranstaltung wurde bereits bekanntgegeben. Den 4. März 2020 sollten sich alle Interessierten bereits jetzt in ihre Kalender eintragen. Save the date!


Beim anschließenden gemeinsamen Mittagessen fand noch ein reger Informationsaustausch statt.


Alle Beteiligten waren hochzufrieden und freuten sich über den großen Anklang, den der Agrartag zum wiederholten Male verzeichnen konnte.